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Schatzregal -

die tatsächliche Lage bei Schatzfunden

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Schatzsuche - harmloser Zeitvertreib oder ernsthafte Hobby-Archäologie?

An anderer Stelle schreiben wir über die rechtlichen Aspekte der Schatzsuche - hier soll es zunächst um die Praxis gehen. Dabei wünscht sich der Verfasser eigentlich durchaus ein Engagement von Schatzsuchern, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie unsere Vorfahren gelebt haben. Aber es gibt einiges zu beachten:

Schatzsuche als hirnlose Raubgräberei kann nicht das Ziel wissenschaftlich motivierter Schatzsuche sein. Es gibt zahlreiche Seiten im Netz, die die Schatzsuche nur als eine nette Freizeitbeschäftigung betrachten:
Man geht mal ein bisschen mit dem Metalldetektor, Rucksack und Spaten o.ä. spazieren und findet - man man Glück hat - archäologisch wertvolle Metallgegenstände. Die kann man bergen (oder besser: ausbuddeln) und auf dem riesigen Antiquitätenmarkt verhökern oder sich selbst dran freuen.

Wer so daran geht, muss sich nicht wundern, wenn er/ sie den Hass der Hobby-Archäologen auf sich zieht. Und den der Wissenschaft noch viel mehr.
Archäologie ist nicht die Lehre von den Antiquitäten. Denn die alte Münze, das Schwert, der 1000 Jahre alte Schmuck - das sind bestenfalls Antiquitäten und Kuriositäten, wenn sie aus dem Fundzusammenhang gerissen werden.

Der Verfasser tritt energisch ein für die Anerkennung der Arbeit von Hobby-Archäologen, hat aber wenig (eigentlich keine) Sympathie für Leute, die mit ihrem Metalldetektor durch Wald und Wiese laufen, wie andere Leute über den Golfplatz. Das sind noch nicht mal "ehrbare Raubgräber" (geht das?), sondern Leute, die aus purem Unwissen wichtige archäologische Fundzusammenhänge zerstören können.

Was ist mit Raubgräbern?

Raubgräber arbeiten ohne Genehmigung der zuständigen Behörden oder Grundstückseigentümer oder Völker.
Manche entwickeln sich zu anerkannten Archäologen, wie z.B. Heinrich Schliemann, der Entdecker Trojas. Ganz ohne Zweifel in bestimmten Phasen seiner Arbeit ein Raubgräber, aber einer mit viel Wissen und Engagement.
Kaum einer der frühen Archäologen hat die Regierungen der Länder, in denen er geforscht hat, um eine Genehmigung gebeten - noch heute gibt es jede Menge Rückgabe-Ansprüche der damals beraubten Länder.

Diese Praxis, ohne Genehmigung der jeweiligen Länder archäologische Forschung, aber auch Grabräuberei zu praktizieren, gab es auch keineswegs nur im 19. Jahrhundert. Bis in jüngste Vergangenheit wurden z.B. die Kulturen von Mayas und Azteken vor Ort "erforscht", ohne irgendwie Rücksicht zu nehmen auf die heute noch lebenden Nachkommen dieser Menschen, in der Regel indigene Indianerstämme.
Das wird dann unter dem Label populärwissenschaftlicher Fernsehfilme vermarktet - kann es sein, dass der Verfasser an die eine oder andere Aktion denkt, die bei "Terra-X" veröffentlicht wurde? Aber vielleicht war das auch eine andere Fernsehsendung . . . .

Es scheint also vor allem 3 Arten von Raubgräbern zu geben: Die, die am finanziellen, die, die am medialen und die, die am wissenschaftlichen Ergebnis interessiert sind.
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Es gibt natürlich viele Filmemacher und Publizisten, die sich bei ihrer Arbeit an Recht und Moral halten. Es gibt auch viele professionelle Schatzsucher, die das so machen. Und die Grenzen zwischen diesen Motiven der Raubgräber sind oft fliessend, genauso wie es manchmal schwierig ist, die Raubgrabung von der legalen Schatzsuche zu unterscheiden.
Aber es gibt eben auch eine Menge "Schwarzer Schafe".

Soll und darf man einfach losgehen und suchen?

Der Verfasser hält einige der diesbezüglichen Empfehlungen im Internet für unglücklich bis verantwortungslos.

Kennen Sie Cornelius Gurlitt? Das war der bedauernswerte süddeutsche Kunstsammler, der einen grossen Schatz an Kunstwerken besessen hat, auf die offenbar einige "offizielle Kunstsammler" scharf waren.

Es spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, ob sein Vater (es handelte sich um Bilder aus einer Erbschaft) immer sehr moralisch gehandelt hat beim Erwerb dieser Bilder.

Gurlitt musste sich eine Hausdurchsuchung gefallen lassen, weil man ihn mit einer grösseren Summe Bargeld im Zug von Österreich nach Deutschland "erwischt" hatte. Der angebliche Verdacht eines auf "dem Steuergeheimnis unterliegenden strafbaren Sachverhalts“ funktioniert fast immer.
Diese "Routinekontrolle" im Zug war
Zufall? Sie glauben wohl auch, dass die Erde eine Scheibe ist.

Bei der Hausdurchsuchung wurden natürlich "völlig unerwartet" die Bilder gefunden - und beschlagnahmt. Die Sache ging eine Weile hin und her, Cornelius Gurlitt wurden keine Rechtsverstösse nachgewiesen, aber der gesundheitlich schon etwas angeschlagene, damals 80-jährige Mann war am Ende tot.

Er hat übrigens die Intrige wohl duchblickt und den "offiziellen Kunstsammlern" einen bösen Streich gespielt: In seinem Testament legte er noch rechtzeitig fest, dass Alleinerbin seiner Sammlung die Stiftung des Kunstmuseums Bern in der Schweiz sein sollte. Und so haben seine Peiniger letztlich das Nachsehen gehabt.

Sie fragen, was die "Operation Gurlitt" mit dem Schatzregal zu tun hat? Es zeigt, wie man fertiggemacht werden kann, wenn man Dinge besitzt, die bestimmte Leute gerne an sich bringen wollen.

 

Da heisst es z.B. auf einer Seite: "Suchen Sie mit einem Metalldetektor die Wälder und Felder um Ihren Wohnort ab. Mit ein klein wenig Spürsinn und Glück finden auch SIE wertvollen Schätze... ".

Wenn Sie das z.B. in Mecklenburg-Vorpommern machen, sind Sie schon glasklar illegal und riskieren, mit einen hohen (bis zu 150.000,- Euro und sogar mehr) Bussgeld belegt zu werden.

Und in mehreren Bundesländern sieht es nicht einfacher aus. Erkundigen Sie sich also bitte zunächst nach den gesetzlichen Vorschriften. Die sind von Bundesland zu Bundesland verschieden.

Wenn Sie dann trotz eines Verbots losgehen und suchen, dann ist das ihre Sache. Das machen Tausende, aber Sie müssen ggf.mit staatlicher Verfolgung rechnen. Vor allem natürlich dann, wenn Sie wirklich was finden.

Aber von den Gesetzen abgesehen ist die Schatzsuche auch die Praxis sowieso eine schwierige Sache und man kann jede Menge Ärger bekommen, wenn man ehrlich ist. Wenn man unehrlich ist, dann erst recht.
Mit anderen Worten: immer.

Bitte rufen Sie sich in Erinnerung: Erstens: Schätze sind oft wertvoll und zweitens: Die Archäologie ist historisch gesehen ein Zeitvertreib privilegierter Leute.
An der finanziellen Seite ist der Staat interessiert, an der wissenschaftlichen die staatlich bezahlten Archäologen, Museumsdirektoren, universitäre Forschungsteams, Denkmalschützer u.a. Sie alle lassen sich nicht gerne die Schätze von Amateuren wegnehmen und noch viel weniger nicht die wissenschaftliche Anerkennung.

Sowie Ihr Fund - auch der legale! - eine höhere Qualität erreicht, wird man Ihnen zusetzen. Hausdurchsuchungen (ein durchaus beliebter Schritt der Einschüchterung) unter dem Vorwand, dass Sie vielleicht was versteckt haben, sind nichts Besonderes, aber alles andere als angenehm.

So fördert der Staat in Wirklichkeit die Schatzverheimlichung, denn das ist die einfachste Möglichkeit, staatlicher Repression zu entgehen. Für die archäologische Wissenschaft ist das natürlich ganz schlimm und wird geradezu katastrophal, wenn archäologisch wertvolle Artefakte ins Ausland verbracht werden, wo sie dann endgültig zu schlichten Antiquitäten mutieren.
Also:
Melden Sie Ihren Fund, ist der Ärger vorprogrammiert. Melden Sie ihn nicht, verstossen Sie gegen geltende Gesetze.
Dabei ist der Kampf um die Entschädigung sowieso nur interessant, wenn es sich um einen wirklich bedeutenden Schatzfund handelt. Es kann immerhin tatsächlich um Millionen gehen. Meistens geht es aber auch um den Verbleib des Schatzfundes. Da kämpfen dann nicht nur private Amateure gegen den Staat, sondern meistens auch noch verschiedene staatliche Repräsentanten gegeneinander: Beim Goldschatz von Gessel (einem sehr bedeutenden Hortfund, der 2011 im Zuge eines Pipeline-Baus gemacht wurde) stritten sich z.B. das Niedersächsische Landesmuseum, der Landkreis Diepholz und die Stadt Syke darüber, wo dieser werbewirksame Goldschatz ausgestellt werden sollte.

Sofern es um den materiellen Wert - vielleicht auch den Handelswert - gehen sollte, können Sie sicher sein, dass die Behörde ein Gutachten präsentieren wird, das den Wert (und damit eine Entschädigung) sehr gering einschätzt.
Eine wissenschaftliche Anerkennung können Sie schon gar nicht erwarten: Der Denkmalschutz wird höchstens verkünden, dass durch die (immer) unsachgemässe Bergung leider der Fundzusammenhang zerstört worden ist. Freuen Sie sich, wenn Sie deshalb nicht noch Ärger kriegen . . .

Warum wundern sich die Behörden eigentlich, dass kaum Schatzfunde gemeldet werden???


Die weiteren einzelnen Themenkomplexe:

Wie ist die rechtliche Lage in den einzelnen Bundesländern?

Argumente für ein Schatzregal

Argumente gegen ein Schatzregal

Wie ist die Situation in anderen Ländern?

Wie könnte eine vernünftige Regelung aussehen?

Der Verfasser bemüht sich, diesen Beitrag so schnell wie möglich zu vervollständigen. Vielen Dank, wenn Sie Verständnis dafür haben.

Anmerkung: Der Plural von "Schatzregal" heisst eigentlich "Schatzregalien"; es gibt umgangssprachlich auch den Plural "Schatzregale"

Die Angaben auf dieser WebSite sind sorgföltig recherchiert worden. Eine Gewähr für ihre Richtigkeit kann allerdings trotzdem nicht übernommen werden. Sollten versehentlich falsche Behauptungen aufgenommen worden sein, ist es nicht nötig, den Verfasser juristisch abzumahnen, sondern es reicht dann ein Hinweis auf den unrichtigen Sachverhalt und der entsprechende Sachverhalt wird korrigiert. Eventuell verwendete Markenbezeichnungen sind Eigentum des Marlkeninhabers und werden hier nur aus redaktionellen Gründen erwähnt.

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